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Das perfekte Bild

Wenn man einschlägigen Fotomagazinen glauben kann, geht es bei der Fotografie immer wieder darum, das perfekte Bild zu erstellen. Jeder Fotograf befindet sich somit auf der Jagd nach einem geeigneten Motiv, einer aussagekräftigen und umsetzbaren Idee.
Bilder werden besprochen, gezeigt, markiert und jeder kleine vermeintliche Fehler besprochen, wenn nicht gar zerrissen.

Doch was ist eigentlich das „Perfekte Bild“?

Nehmen wir doch einfach zum Beispiel folgendes Bild, in dem eigentlich nichts weiter als ein handelsüblicher Fahrradständer abgebildet worden ist.

Dieses Bild ist aufgrund einer Idee entstanden. Gleichzeitig blitzte der richtige Moment beim Joggen auf. Somit war in diesem Augenblick nichts weiter entfernt als meine Spiegelreflexkamera.
Ich hätte einfach weiterlaufen können und den Augenblick verstreichen lassen. Nein, ich nahm mein iPhone zur Hand und versuchte so gut wie möglich diesen lapidaren Fahrradständer abzulichten. Dann noch etwas Handwerk und fertig war ein in meinen Augen perfektes Bild.
Beim Zeigen dieses Werkes gab es viel Zuspruch – aber auch von Personen, die nichts mit ambitionierter Fotografie am Hut haben, die Frage „Warum fotografierst du denn einen Fahrradständer?“

Man erkennt hierbei sehr schön, dass die Meinungen einfach auseinandergehen und nichts weiter als eine reine Darstellung des jeweils eigenen Geschmacks sind.

Ist es also ein perfektes Bild oder einfach nur ein Fahrradständer, für den sich keiner interessiert?
Ich selbst halte es für ein gelungenes Bild. Nun gut, auch mir fällt immer wieder eine Kleinigkeit auf, die ich anders oder besser hätte machen können. Ich möchte es aber dennoch nicht mehr ändern, da es aus eben dieser Situation und den eigenen Gefühlen bei der Bearbeitung so entstanden ist. Gefühle ändern sich, Kenntnisse und somit neue Möglichkeiten auch.

 

Nachfolgendes Werk zeigt eine Langzeitbelichtung eines kleinen Wasserfalls in Bayern, der lediglich als Abfluss für einen See dient und keine großartige touristische Relevanz innehat.

 

Ich liebe dieses Bild. Es war auch das erste Bild, bei dem ich mir einen 80x60 Zentimeter Abzug habe machen lassen. Seitdem hängt es in meinem kleinen Treppenhaus und jedesmal wenn ich daran vorbeigehe, erfreue ich mich an diesem wirkungsvollen Bild.
Nachdem es sich im Gegensatz zum Fahrradständer um etwas für jeden Greifbares handelt, erhielt ich auch ausschließlich positive Resonanz auf dieses Bild.

Ist es deshalb ein perfektes Bild?


Ganz ehrlich, für mich schon. Aber: Wäre es wirklich ein perfektes Bild in dem Sinne, dass dies von jedem so anerkannt wird, dann könnte ich und wohl auch jeder fotografische Jäger seine Ambition an den Nagel hängen.

Somit: Nein, das hochamtliche, allumfassende, perfekte Bild gibt es nicht.

Aber: Wenn dir eines deiner Bilder außerordentlich gut gefällt, dann ist es ein perfektes Bild. Ganz egal, ob das ein Fahrradständer, ein Verkehrsschild oder die Pyramiden von Gizeh sind. Es muss dir gefallen, und sonst niemandem!


Denk daran und bleib deiner Leidenschaft treu. Meinungen anderer sind wahrlich hilfreich, hier ist aber explizit darauf zu achten, welchen Background die meinungsäußernde Person trägt. Interessiert sich dieser für Fotografie, Kunst, Details oder handelt es sich bei ihm nur um einen oberflächigen Bildbetrachter?
Selbst wenn alle Meinungen über dein Bild negativ ausfallen, du aber davon überzeugt bist und es dir dennoch gefällt:

 

Dann ist es ein perfektes Bild.

 

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