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Hilft jede Kritik?

Ich halte mich für sehr selbstkritisch. Gleichzeitig oder in Folge dessen kann es sein, dass man sich unsicher fühlt. Ein gezieltes Feedback zu fotografischen Ergebnissen sorgt nicht nur für ein gutes Gefühl, sondern es demontiert auch nach und nach die eigene Unsicherheit. Der Aspekt der Selbstkritik bleibt dabei unberührt und in meinen Augen hilft diese Eigenschaft auch sehr stark, weiterhin auf gute Ergebnisse hin zu arbeiten.
Doch das Thema mit dem Feedback macht es einem nicht leicht, wenn man sich nicht in die Riege der Selfie- und/oder Urlaubsschnellknipser einreihen möchte.
Die Erfahrung spaltet sich dabei in unterschiedliche Bereiche. Handelt es sich um soziale Medien ist mir aufgefallen, dass die berühmten „Like“-Buttons hauptsächlich bei bekannten und „normal“ gemachten Postkarten-Motiven erheblich öfter gedrückt werden. Aber darüber sollte man sich definitiv keine Gedanken machen. Das muss man wohl so akzeptieren, wie es ist.

Als schlimmer und für mich schwieriger erachte ich das persönliche Umfeld und deren Meinung. Hier trifft man nicht auf „Likes“, sondern auf Aussagen, bei denen ich lange Zeit gebraucht habe, eine für mich geeignete Differenzierung vorzunehmen.

Was ich damit meine?

Nun, wenn ich an frühere Zeiten denke, gab es bereits komische Kommentare von Eltern, Großeltern, etc.
Man hat glücklich und zufrieden irgendetwas abgelichtet. Jedoch nicht mit „Wenn die Sonne lacht, Blende 8“-Einstellungen, sondern durch eigene Bildideen und verschiedene Einstellungstests versucht, einigermaßen sinnvolle, dennoch dem Mainstream entgegengestellte Werke zu kreieren.
Das Echo entsprach dem Wunsch der Betrachter nach typischen Urlaubsbildern. Am besten die Sehenswürdigkeit und irgendein Familienmitglied im Vordergrund. Tja, wer kennt das nicht?
Nachdem ich bereits damals den Wunsch nach konstruktiver Kritik hatte, diese aber nicht wirklich bekam, musste ich mich meiner Unsicherheit selbst stellen.

Gehen wir in die Gegenwart:

Ich fühle mich einigermaßen sicher in dem was ich mache. Gleichzeitig bin ich aber immer noch außerordentlich froh, wenn ich eine konstruktive Kritik auf eines oder mehrere meiner Werke bekomme.
Interessanterweise kann ich beruhigt darüberstehen, wenn jemand einfach nur sagt, „Dieses Bild find ich sch…“.
Da es sich dabei um nichts konstruktives sondern wohl eher um eine kurze Darstellung des persönliches Geschmacks dieser Person handelt, führt das bei mir zu keiner tiefgehenden Auseinandersetzung mit meinem Werk. Der Betrachter hat dann halt einfach einen anderen Geschmack.
Womit ich immer noch Probleme habe, sind Personen, die nicht erkennen, das Fotografie nicht nur die Ablichtung von Sehenswürdigkeiten mit davor positioniertem Familienmitglied ist – dabei aber keine Scheu haben, mir zumeist komisch klingende, wenn nicht gar negative Kritiken entgegen zu werfen.
Diese Personen erkennt man im persönlichen Umkreis sehr deutlich beim Präsentieren der obligatorischen Fotobücher nach einem Urlaub. Auch ich mache regelmäßig für mich und meine Familie mindestens ein Buch der gerade vergangenen Reise. Dabei befindet sich in diesem Werk immer ein geschicktes Hin- und Her zwischen fast klassischen Urlaubsfotos und aufwändigen Bildern, die dem Buch eine gewisse Wertigkeit geben sollen.
Selbstverständlich hängt des Fotografen Herzblut dann an den anspruchsvollsten Bildern. Man hat sich mit dem Motiv eingehend beschäftigt, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Tja, der oben genannte Personenkreis geht aber beim Blättern durch das Fotobuch mit einer Geschwindigkeit über diese Werke hinweg, dass es mir beinahe schwindlig wird. Befindet sich dann plötzlich wieder etwas Bekanntes (eine Person, eine Sehenswürdigkeit) im Bild, wird inne gehalten, darüber geredet – die dann folgende grafisch anmutende Langzeitbelichtung: schnell weiter blättern, ist ja nur ein kleiner Wasserfall (Motiv austauschbar…).
Oft dann noch Sätze wie: „Warum hast Du denn einen Bach (hier auch: Motiv austauschbar) fotografiert?“

Anfangs war diese Art der Kritik für mich sehr schwierig in der eigenen Beurteilung. Mittlerweile versuche ich die Aussagen dieser Kritiker einfach auszublenden (Blende „100“ sozusagen). Denn es handelt sich dabei meiner Erfahrung nach immer um Personen, die mit der „echten“ Fotografie nichts anfangen können bzw. damit zufrieden sind, ihre Festplatten mit Selfies und Erlebnissen zu füllen.
Selbstverständlich können sie das auch machen. Mir egal. Dennoch erhofft man sich zumindest ein „Oh, Ah.. oder gleich eine echte Kritik, mit der man etwas anfangen kann.

Wie gesagt: Ich blende mittlerweile diese Kritiken aus, denn ich konnte die Erfahrung machen, dass konstruktive Kritik ausschließlich von ambitionierten Fotografen und/oder von Kunstliebhabern kommt. Leider kenne ich in meinem Umfeld davon nicht viele – freue und verlasse mich aber dafür umso stärker auf die geringe Zahl an Liebhabern, die sich auch nicht scheuen, ihre ehrliche aber fundierte Meinung zu sagen. Hier ergibt sich dann der persönliche Mehrwert.

Warum ich das erzähle? Nun, ich freue mich immer noch auf Feedback zu meinen Bildern. Gleichzeitig philosophierte ich oft vor mich hin, welchen Einfluss Aussagen von „Nicht-Verstehern“ auf das eigene Selbstwertgefühl haben. Ich glaube, man wird damit unter Umständen ein wenig heruntergedrückt, man fragt sich, ob die vielleicht recht haben (vor allem, wenn man noch nicht die nötige Selbsterkenntnis hat) und somit möchte ich hiermit den Rat geben, dass man sich auf diese Art der Reflexion nicht einlassen sollte.

Ich hoffe, ich habe mich einigermaßen verständlich in diesem Artikel ausgedrückt und würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir erzählen könntet, wie Ihr denn so mit Kritiken umgeht. Trennt Ihr auch nach Kritikgeber oder anderen Aspekten? Wie kann die Motivation aufrechterhalten bleiben, wenn man mal schlechte Erfahrungen macht? Etc. Etc. Lasst Euch einfach aus.

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Kommentare: 1
  • #1

    Yens (Mittwoch, 14 Februar 2018 10:19)

    Merke:
    Du bist ein Kunstwerk. Nicht jeder wird dich verstehen, aber diejenigen, die es tun, werden dich nie vergessen.
    (Tyler Daniels)