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Gedanken zum Hobby

Wenn man das nahezu unbedeutende und jedem bekannte Wort „HOBBY“ bei Wikipedia nachschlägt, erkennt man urplötzlich, welch tiefgehende Betrachtung sich dahinter verbergen kann:

„Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung, die der Ausübende freiwillig und regelmäßig betreibt, die dem eigenen Vergnügen oder der Entspannung dient und zum eigenen Selbstbild beiträgt, also einen Teil seiner Identität darstellt.“ (Quelle: Wikipedia)

Hierin verbergen sich einige Begriffe, die ich bei der Ausübung meiner fotografischen Leidenschaft sicher unbewusst so lebe, dennoch bin ich mir nicht sicher, ob ich ebenfalls zu einer ähnlichen und auch etwas hochtrabend klingenden Beschreibung gekommen wäre. Ich ziehe somit uneingeschränkt meinen Hut vor demjenigen, der diesem profan klingenden Begriff eine doch sehr tiefgründige Bedeutung mit auf den Weg gegeben hat. Allein durch die zweite Hälfte der Definition verlässt der simple Begriff des Hobbies seinen oft wahrgenommenen Status als lächerliche Freizeitbeschäftigung und erklimmt ganz andere, höher wirkende, Wertigkeitsebenen.
Beim Nachdenken über die genannte Definition fühlte ich mich als leidenschaftlicher Hobby-Fotograf und Hobby-Buchrezensent auf hysterika.de plötzlich positiv angesprochen und versuche nun auf Basis einiger der genannten Begriffe dieses Gefühl weiter zu geben.

Der erste genannte Begriff ist wohl der einfachste im gesamten Kontext: „Freizeitbeschäftigung“.
Ich glaube, hier braucht man gar nicht besonders darauf eingehen. Es bleibt einem ja zumeist schlichtweg nichts Anderes übrig, als sich seiner Leidenschaft in der Freizeit, neben den zwingend notwendigen Verpflichtungen, zu widmen.
Sicher, es gibt den ein oder anderen, der sein Hobby zum Beruf machen konnte – aber: dadurch verliert es auch seinen Status als Hobby und steht hier nicht zur Debatte.

Als nächstes nennt die Quelle den Begriff „freiwillig“ und ich denke, dieses kleine Wort ist unbedingt zu beachten und grenzt das Hobby ein wenig von anderen Tätigkeiten ab, die man zwar vielleicht gerne macht, aber nicht als Hobby bezeichnen würde.
In diesem Kontext fällt mir zum Beispiel eine Tätigkeit in einem Ehrenamt ein. Hier ist es oft aus der Situation oder dem Alltag entsprungen und somit wird es unter Umständen nicht freiwillig durchgeführt bzw. als Hobby erkannt.
Wenn man also nicht nur gerne sondern auch „freiwillig“ die Kamera in die Hand nimmt und sich damit auf den Weg macht, dann spricht schon einiges für diese tolle freizeitliche Beschäftigung.

Gehen wir weiter in der Definition: „regelmäßig“.
Puh, hier könnte man sicher darüber streiten – gibt es nicht immer wieder Zeiträume, in denen man eben nicht jede nur erdenkliche Gelegenheit nutzt, um mit dem Bildermachen beschäftigt zu sein? Verliert sich da dieses Hobby schon und die Freiwilligkeit lässt nach?
Hier sollte man besser die Definition nicht zu päpstlich betrachten oder – noch besser! - den Begriff Fotografie als Hobby etwas weiter gesteckt berücksichtigen:
Fotografie ist nicht nur Kamera-in-die-Hand-und-raus-zum-Bilder-machen sondern eben auch die eigenen Gedanken daran, das „sich-mit-der-Materie-beschäftigen“, über neue Bildmöglichkeiten  nachdenken, Fachzeitschriften lesen, Bilder betrachten und so weiter und so weiter.
Schon befinden wir uns in der Regelmäßigkeit und bedienen einen wahren Blumenstrauß an Möglichkeiten, die irgendwas mit unserem gemeinsamen Hobby zu tun haben.
Dem schließt sich recht schnell „zum eigenen Vergnügen“ an und genau dort sollten wir uns befinden: Wir machen das alles aus purer Freude!
Natürlich denkt man oft an berühmte Fotografen und ab und an schwingt auch der Wunsch nach Etablierung eines ähnlichen Bekanntheitsgrades mit. Dies ist auch akzeptabel, sollte aber das Hobby nicht zu sehr beeinflussen, da man sonst nur noch auf den eventuell potenziellen Markt schielt und dabei unbewusst der Weg In die Bedeutungslosigkeit eingeschlagen wird.

Als nächstes führt uns Wikipedia zu dem Begriff „ Entspannung“ und fährt dabei ein schweres Kaliber auf: Ist es wirklich immer entspannend?
Meiner Meinung nach: Ja, zumindest meistens J
Wenn man sich mit etwas beschäftigt, dass einem Freude bereitet, dann ist der Weg zur Entspannung ein kurzer. Sehr oft erkennt man es am schlichten Verschwinden von Zeit. Man schaut durch die Kamera, man beschäftigt sich mit Artikeln, man betrachtet fremde Fotografien, man geht sehr achtsam durch die Gegend und denkt an das nächste Motiv – ein späterer Blick auf die Uhr und man wundert sich ob der vergangenen aber dafür intensiven Zeit.
Das ist doch dann Entspannung pur und genau so soll es sein.
Allein, wenn man sich mit seinem Motiv beschäftigt, man bewusst die Umgebung / das Model / die Landschaft / wasauchimmer wahrnimmt – schon steigt der Wert der persönlichen Entspannung und man möchte diese Bewusstseinsebene nicht mehr verlassen.

 

Man erkennt, welche Bedeutung ein simples Hobby für einen selbst doch haben kann….

Schlussendlich spricht die Definition noch vom eigenen Selbstbild – also Teil der Identität. Hierzu musste ich dann doch etwas länger nachdenken. Insbesondere, da ich mehrere Hobbies bediene und ich mir somit die Frage stellte, was mit dem Teil des Selbstbildes und der Identität wohl gemeint sein könnte.
Ein Blick auf den Begriff konnte das ein wenig auflösen, soll aber hier aufgrund der Fülle an zusätzlichen philosophischen Möglichkeiten nur kurz umrissen werden:
Es ist die Vorstellung, die jemand von sich selbst hat oder macht –Die Selbstwahrnehmung, wie man gerne sein möchte.

Ein wunderbares Schlussbild zu den vorangegangenen Gedanken.

Was bleibt uns „Hobby“-Fotografen also anderes übrig, als weiterhin den Fokus auf unsere Leidenschaft zu legen. Am besten gedanklich mit möglichst geschlossener Blende, um jeden kleinen Schärfepunkt in der eigenen Wahrnehmung erkennen zu können.

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Kommentare: 1
  • #1

    Yens (Donnerstag, 28 Februar 2019 09:54)

    Ein guter, zu eigenem Überlegen anregender Artikel.
    Gruß Yens
    www.yensfranke.com